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arch.atlas Architekturstiftung Südtirol
Berichterstattung "Gewinner Architekturpreis 2026"
Schöner Wohnen 4|2025
Turris Babel # 141
Privat
Ausführungsplanung und Bauleitung 2020-2023
Der Bauplatz für das neue Zweifamilienhaus befindet sich im historischen Ortskern, direkt an einer alten, von Steinmauern gesäumten Gasse. Ziel war es, den althergebrachten Holzbau gleichzeitig als zukunftsweisendes Konzept ins Dorf zurückzubringen, indem die traditionelle Bauweise sowohl in ihrer Formensprache als auch in ihrer konstruktiven Verwendung in die Gegenwart und Zukunft überführt wird.
Das dafür eingesetzte leim- und metallfreie Baukonzept basiert auf der modernen Interpretation einer uralten Holzverbindungstechnik. Um die Privatsphäre und Ruhe vom Ortsrand ins Ortszentrum zu übertragen, orientieren sich die Wohnräume nach innen – zu Hof und Terrasse hin. Der Baukörper steht in direktem Dialog mit dem Umfeld.
Im Erdgeschoss sollten Einblicke von außen durch Einschnitte erschwert und die Ausblicke gezielt vorbei an den umliegenden Häusern in die Natur gelenkt werden. Ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Vegetationen: dem Nördersberg mit seinen dichten, grünen Zirben- und Lärchenwäldern auf der einen Seite und dem kargen, steppenartigen Sonnenberg auf der anderen.
Motorisierte Holzlamellen filtern das Licht, schaffen Atmosphäre und bringen das Spiel von Schatten und Helligkeit ins Innere. Unter dem markanten Schindeldach liegt das Obergeschoss. Nach außen verschlossen, öffnen sich die Räume nach innen über ein geschütztes Patio. Der Sonnen- und der Nördersberg bleiben als gezielte Ausblicke erhalten. Ein komplettes Loslösen vom Ort – sich in die Mitte des Vinschgaus zu setzen und das Gefühl zu haben, es gäbe um einen herum nur die Berge.
Materialisierung:
Das Wohnhaus wurde komplett aus leim- und metallfreien Vollholzelementen errichtet. Bei den Wandelementen werden die Bohlen in Wuchsrichtung verbaut und mit einer Gratleiste in Schwalbenschwanzform miteinander verbunden. Die Gratleiste wird quer in die Holzbohlen eingepresst, sodass diese kraftschlüssig, von außen unsichtbar, verbunden sind. Für die Decken- und Dachelemente werden die aneinandergereihten Holzbalken mit mehrfachen Nut- und Kammverbindungen verkämmt und mit Schrauben aus Buchenholz zu formstabilen Vollholzelementen verbunden. Das Wohnhaus mit einer Gesamtwohnfläche von 275 m2 teilt sich auf zwei miteinander verbundene, aber auch von außen separat zugängliche Etagen auf. Beheizt wird das Gebäude über einen Fernwärmeanschluss, die Wärme wird über eine integrierte Fußbodenheizung abgegeben.
Das nach innen gerichtete Dach wurde für Photovoltaik vorbereitet. Das gesamte Gebäude ist mit einer kontrollierten Raumlüftung ausgestattet. Der Kalkputz an den Innenwänden sorgt zusätzlich für eine natürliche Regulierung der Luftfeuchtigkeit. Sowohl die Außenwände als auch die Dachelemente sorgen mit natürlicher Holzfaserdämmung auch im Winter für wohngesunde Behaglichkeit. Der U-Wert des Dachs beträgt 0,12, der U-Wert der Außenwand 0,17 – das Zweifamilienhaus entspricht der Klimahausklasse A.
Holz ist zeitlos schön.
Denn Holz berührt die Sinne, ist lebendig, warm und atmungsaktiv. Holz ist so einzigartig und vielfältig in Farbe und Struktur, wie es nur die Natur hervorbringt. Es ist schön allein – oder im Zusammenspiel mit anderen Materialien. Das unbehandelte Holz würdigt die Schönheit des Alterns – und erzählt mit der Zeit seine eigene Geschichte.
Titelbild: Tim Love Weber Photograhpy
Projektbilder: Samuel Holzer